Regenwasserbewirtschaftung bedarf eines Abkopplungskatasters

Startbildschirm AbkopplungskatasterDie Regenwasserbewirtschaftung ist in den letzten Jahren vor dem Hintergrund von gravierenden Hochwasserereignissen und steigenden Abwassergebühren in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Dabei kommt der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung mit den Bausteinen Versickerung, Speicherung und gedrosselter Ableitung, sowie der Identifizierung und Differenzierung von abflusswirksamen und nicht abflusswirksamen Flächen in der Wasserwirtschaft - gerade in dicht besiedelten Räumen - eine grundlegende Bedeutung zu. Dies ist vor allem im Hinblick auf Gebührentransparenz und -gerechtigkeit notwendig geworden. Der Ausweisung und Verwaltung von nicht abflusswirksamen versiegelten Flächen dient ein Abkopplungskataster.

Die EArc-View Einbindungmschergenossenschaft (EG), als nordrhein-westfälischer Wasserwirtschaftsverband, der den größten Teil der Abwasserentsorgung im Emschereinzugsgebiet übernimmt, und die Stadt Oberhausen, haben sich zur Entwicklung eines GIS-basierten Abkopplungskatasters und einer Abkopplungsdatenbank entschlossen. Dieses soll beispielhaft in Inhalt und Struktur für das gesamte Verbandsgebiet gelten.

Dieses vom ISB entwickelte Abkopplungskataster ist als ein Baustein des Regenwasserbewirtschaftungs-Informationssystems der EG vorgesehen.
Das Abkopplungskataster kann aber auch als unabhängiges Planungsinstrument verwendet werden.

Hierzu war eine systematische und einheitliche Aufarbeitung der zur Verfügung stehenden Informationen und Daten im gesamten Stadtgebiet notwendig, wobei nur Standardsoftware (ArcView/ArcGIS und Access als SQL-fähige Datenbank) eingesetzt worden ist, um Entwicklungskosten gering zu halten.

Notwendigkeit

Nach dem Urteil des OVG Münster zur Berechnung der Abwassergebühr (AZ: 9 A 3648/04) sind die Kommunen verpflichtet einen nach Regen- und Abwasser aufgesplitteten Tarif anzubieten und dem entsprechenden Gebührenbescheid zu zusenden. Dies ist jedoch, teilweise aufgrund der kommunalen Datenlage, nicht immer möglich. Hier kann ein Abkopplungskataster helfen.

Vorgehensweise

  • Erfassung aller abflusswirksamen befestigten Flächen versiegelte und (teil-)befestigte Flächen mit Kanalanschluss
  • Erfassung aller nicht abflusswirksamen befestigten Flächen sowie abgekoppelter oder nie an den Kanal angeschlossener Flächen
  • Aufbereitung und Verknüpfung der Informationen zur Darstellung in einem GIS
  • Implementierung in die DV-Umgebung des Anwenders

Grundlagen

  • Informationen über nicht abflusswirksame befestigte Flächen
  • Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK) enthält digitale Informationen zu Flurstücken als kleinste steuer- und planungsrelevante Einheit
  • Überfliegungsdaten der EG, die basierend auf verbandsweit vorliegenden Luftbildern Information zu Größe und Lage von abflussrelevanten Flächen enthalten

Ergebnis

  • Zentrale Datenbank, in der alle Informationen zusammengeführt sind und die mit einer dynamischen Verbindung zum Georgraphischen Informations System (GIS) versehen istAbkopplungsdatenbank
  • Automatisierte Such- und Auswertefunktionen zu einzelnen Maßnahmen oder Grundstücken
  • Exportroutinen, die z.B. die notwendigen Informationen gemäß der Zukunftsvereinbarung Regenwasser der EG übermittelten, ausgeben und zur Verfügung stellen

Anwendung

  • Vereinfachung der Bearbeitung von Abkopplungsanträgen in den zuständigen Behörden durch die Kombination von Überfliegungs- und Grundstücksdaten am Bildschirm
  • Sofortige Prüfungsmöglichkeit der angegeben m²-Angaben, Beurteilung der Versickerungseignung betroffener Flächen an Hand weiterer digitaler Daten, z.B. Auszüge aus dem Regenwasserbewirtschaftungs-Informationsystem der EG, Bodenkarten o.ä.
  • Erhöhte Transparenz der kommunalen Abwassergebühren dem Gebührenzahler gegenüber durch die grafische Darstellung der Raumdaten
  • Reduzierung der kommunalen Schmutzwassergebühren durch die Übermittlung der erfassten, nicht abflusswirksamen befestigten Flächen an die EG
  • Verbesserung der Datenlage für Kommune und Wasserverband hinsichtlich Kanalnetzplanung mit möglicher positiver Auswirkung auf die Abwassergebühren. Materialkosten und langfristig Unterhaltskosten können reduziert werden.

Mit dem Abkopplungskataster stehen den Kommunen und der EG zusätzliche Daten für hydrologische und hydraulische Berechnungen zur Verfügung, die sich - im Rahmen der Zukunftsvereinbarung Regenwasser - auch auf die Investitionskosten auswirken können. Für die Gebührenveranlagung ebenso wie für die Erfolgskontrolle der Zukunftsvereinbarung Regenwasser ist die genaue Kenntnis versiegelter und abgekoppelter Flächen erforderlich.

Perspektiven

Die Stadt Oberhausen führte weitere ergänzende Luftbildauswertungen im Bereich des Ruhrverbandes - nach Vorbild der EG - durch, um mit diesem Instrument nicht auf ein Verbandsgebiet beschränkt zu sein. Die Ergebnisse wurden in das bestehende System aufgenommen.

Info-Flyer