(Text: C. Schilli(1), P. Reinirkens & M. Schneider(2))

Durch den ständigen Wandel der Bebauung, Einwohnerzahl und anfallenden Menge an Abfallfraktionen müssen Entsorger schnell und flexibel auf Änderungen zum Beispiel im Bereich der Abfallentsorgung, der Straßenreinigung und des Winterdienstes reagieren können. Die Handhabung der sich ständig wandelnden Daten mittels analoger Karten und Datenbanken ist sehr zeitaufwändig, aber noch immer weit verbreitet. Eine dezentrale Datenhaltung erschwert häufig eine Beschaffung aktueller Informationen. Der "EUV-Stadtbetrieb Castrop-Rauxel" hat sich daher entschieden, die in einer Datenbank (ORACLE) verwalteten Daten zur Routenplanung und Gebührenberechnung unter einer GIS-Oberfläche zu bearbeiten, um planerische Arbeiten schneller umzusetzen. In Zukunft sollen neben der Routenplanung zur Abfallentsorgung auch die Plausibilitätsprüfungen zur Abwassergebührenberechnung unter Einbeziehung versiegelter Flächen in ArcView durchgeführt werden sowie die Reinigungsleistung und Straßenreinigung optimiert werden.

Daten und technische GrundlagenAbfallmanagement mit Datenbank und GIS
Alle notwendigen Geoin­formationen befanden sich bereits "im Haus" bzw. konnten bei den verschiedenen daten­führenden Ämtern / Firmen eingeholt und mussten nicht seperat erhoben werden. Die Standorte der verschie­denen Abfallbehälter wurden z.B. aus Flur­stückskoordinaten des Katasteramtes erzeugt. Die notwendige Software - ArcView 3.3 und eine ORACLE-Datenbank - war ebenfalls vorhanden, so dass hier keine zusätzlichen Kosten ent­standen. Die Pflege der Geobasisdaten findet bei den datenführenden Ämtern und Einrichtungen statt. Sie werden in regelmäßigen Abständen ohne größeren Aufwand aktualisiert in ArcView zur Verfügung gestellt. In Fachgesprächen mit dem Kommunalen Entsorger konnten die zu ladenden planungsrelevanten Datenmengen klein gehalten werden, um die Rechenzeiten gering zu halten.

Sicherheit und Aktualität durch GIS-Datenbank-Kopplung
Die zentrale Ablage und Pflege der Daten findet in ORACLE statt. Von den verschiedenen Arbeitsplätzen der Verwaltung aus werden in dieser Datenbank die gebührenrechtlichen und planungsrelevanten Informationen eingepflegt. Beim Start der ArcView Anwendung werden per SQL-Verbindung die aktuellen Daten abgefragt und in ein Punkt-Shape umgesetzt. Die zentrale Ablage und der SQL-Zugriff ermöglichen das Arbeiten mit den aktuellsten Daten der verschiedenen Abteilungen. Schaltflächen mit hin-terlegten Suchfunktionen und Abfragen vereinfachen die Arbeitsabläufe. Verschiedene Szenarien der Problemlösung können somit durchgespielt und optimiert werden. Die Rückschreibung in ORACLE findet erst mit der Speicherung des Shapes über seine dbf-Datei statt.

Anwenderorientierte Gestaltung
Die große Datenmenge in der zu Grunde liegenden Datenbank sowie die Notwendigkeit der regelmäßigen Überarbeitung machen eine anschauliche, benutzerfreundliche Darstellung der Informationen notwendig. Eine Datendarstellung von Rauminformationen in Tabellenform ist keine optimale Lösung. Durch die Visualisierung in einem GIS kann effizienter mit den Raumdaten gearbeitet werden. Zudem können bisher unerkannte Fehler in der Datenbank aufgedeckt werden. Die Möglichkeit, beispielsweise die Bebauung und somit die Zuwegung zu bestimmten Grundstücken bei der Routenplanung am PC zu berücksichtigen, ermöglicht effektiveres Arbeiten als bisher, da das Risiko einer Fehlplanung deutlich minimiert wird.

Ergebnis
Die Kombination der vorhandenen Geodaten mit dieser Software stellt eine kostengünstige Lösung vieler planerischer Probleme in der Entsorgungswirtschaft dar. Die grafische Darstellung der aktuellsten Daten kann auch als kunden-/bürgerfreundliches Auskunftssystem verwendet werden. Neben dem einfacheren und schnelleren Umgang mit den derzeitigen Aufgaben lassen sich durch die Art der Bereitstellung der Informationen auch die Fahrtstrecken schneller berechnen. In Zukunft sollen zusätzliche Bebauungsdaten verwendet werden, um Fahrtzeit beeinflussende Faktoren zu berechnen. Wirtschaftlichkeits- und Plausibilitätsprüfungen sind mit erheblich geringerem Arbeitsaufwand durchzuführen. Solche GIS-Lösungen bieten sich vor allem für Firmen oder Städte an, die mit kleineren und mittelgroßen Datenmengen arbeiten. Eine eigenständige Systementwicklung entfällt. Das eingerichtete System greift ausschließlich auf bestehende Hard- und Software zurück. Durch die Verwendung der Standardwerkzeuge und einiger aufgabenorientierter Skripte bleibt das System für weitere Entwicklungen offen. Eine Ausweitung der GIS-Anwendung auf weitere Fragestellungen im Bereich Entsorgung ist geplant.

(1) GD-NRW
     
(2) EUV-Stadtberieb Castrop-Rauxel